Karl Barth und Mozart

Fest in der Gottesdienstreihe „Profile“ - mit dem Landestheater und der Hochschule für Musik

Kontrastvoller Mozart. Marn Lin und Joonghyun Kim verleihen der Musik Mozarts großen Glanz in kontrastvollen Akzenten (von links).

Kreis Lippe/Lemgo. Ein Jahr hat der Theologe Karl Barth (1886-1968) die Gottesdienstreihe „Profile“ der Lippischen Landeskirche begleitet: Der biblische Brief des Paulus an die Römer, „Der Römerbrief“, zu dem Karl Barth vor hundert Jahren seinen Kommentar veröffentlichte, stand im Mittelpunkt der Reihe, die durch verschiedene Gemeinden wanderte und mit einem Fest im Gemeindehaus St. Marien in Lemgo ausgeklungen ist – mit Texten von Karl Barth und Musik von Mozart.

Als Musikliebhaber verehrte Karl Barth besonders die Musik von Mozart, die er als „Gleichnis des Himmels“ beschrieb. Heiner Junghans, Schauspieler am Landestheater Detmold, rezitierte Texte von Barth, die Marn Lin aus Taiwan und ihr Klavierpartner Joonghyun Kim aus Südkorea, Studierende der Hochschule für Musik Detmold, musikalisch untermalten. Ein gemeinsames Abendessen und Gespräche rundeten den Abend ab. 
„Karl Barth hat das theologische Denken des 20. Jahrhundert radikal verändert.“, betonte Landessuperintendent Dietmar Arends bei der Begrüßung. „Was Barth schrieb und sagte, schlug so ein, dass er vom Schweizer Dorfpfarrer ohne Promotion zum Professor der Theologie berufen wurde.“

Mit Klavierbearbeitungen zu vier Händen der Opernouvertüren „Die Zauberflöte“ und „Figaros Hochzeit“ eröffneten die Pianisten der Meisterklasse von Professorin Elena Margolina-Hait den Abend. Heiner Junghans trug Karl Barths „Bekenntnis zu Mozart“ vor. Schon als Kind habe Barth die Musik der Zauberflöte fasziniert, die sein Großvater auf dem Klavier spielte. „Seit Jahren höre ich jeden Morgen Mozart, bevor ich mich der Dogmatik zuwende.“
Mozart sei universal und man staune, was bei ihm alles zu Wort komme, obwohl er sich nie für Literatur und Politik interessiert habe. Seine Musik sei im Unterschied zu der von Bach oder Beethoven keine Botschaft oder kein Lebensbekenntnis. „Mozart will nichts sagen, er singt und klingt nur eben. Er will nicht das Lob Gottes verkünden. Er tut es nur eben faktisch.“
Pianistin Marn Lin entlockte der fröhlichen Klaviersonate F-Dur KV 332 und der melancholischen Fantasie d-Moll KV 397 auf dem Blüthner-Flügel kontrastvolle Akzente.
Die große Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550 in der Klavierbearbeitung zu vier Händen von Carl Czerny umrahmte den „Dankbrief an Mozart“, in dem Barth lobt: „Mit Ihrer musikalischen Dialektik im Ohr kann man jung sein und alt werden, arbeiten und ausruhen, vergnügt und traurig sein, kurz: leben. Ich bin mir nicht sicher, ob die Engel zum Lobe Gottes gerade Bach spielen. Ich bin mir aber sicher, dass sie Mozart spielen, wenn sie unter sich sind und der liebe Gott ihnen gerne zuhört.“ 

02.12.2019

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