Nicht spalten lassen

Interreligiöses Friedensgebet in Detmolder Moschee

Kreis Lippe/Detmold. „Wir dürfen uns nicht spalten lassen.“ Damit brachte der Muslim Nihat Köse das Thema des Friedensgebets am Mittwoch (15. November) auf den Punkt. Zum zweiten Mal seit dem Terrorangriff der Hamas gegen Israel am 7. Oktober trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Religionen zum gemeinsamen Gebet. Sie waren Gäste der DITIB-Moschee in Detmold, die im interreligiösen Dialog vor Ort mit aktiv ist.


Köse, Öffentlichkeitsreferent des unabhängigen Islamischen Kommunikationszentrums Detmold, sagte: „Wir müssen unsere Gemeinsamkeiten finden und demonstrieren.“ Den Antisemitismus, der sich jetzt überall verstärkt zeigt, nannte er „eine Dummheit“. Später rezitierte Imam Destan Kurt die Sure 5 aus dem Koran, die vom Brudermord Kains an Abel erzählt und feststellt: „Einen Menschen zu töten, ohne dass dieser einen Mord oder eine Gewalttat im Lande begangen hat, ist, als ob die Menschheit insgesamt getötet würde.“ Eine Theologin der Gemeinde trug die Übertragung ins Deutsche vor.

Matitjahu Kellig ist Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. „Ich lebe in einer persönlichen Situation, die mehr als belastend ist“, bekannte er. Und: „Ich habe eine unglaubliche Wut, ich möchte in die Welt schreien: Hört endlich auf!“ Dennoch müssten die Religionen gemeinsam versuchen, zu differenziertem Denken anzuregen. Respekt und Toleranz seien der einzige Weg zu Mitmenschlichkeit und Frieden.

Auch der Ezide Usif Kalasch vom Kurdischen Elternverein erklärte, dass das respektvolle Miteinander wie hier beim gemeinsamen Gebet der Weg sei, der zum Frieden führe. Bülent Yilmaz vom Alevitischen Kulturverein betonte die Verantwortung, die gläubige Menschen für den Frieden hätten.

Dieter Bökemeier, Pfarrer für Diakonie, Ökumene und Migration der Lippischen Landeskirche äußerte angesichts der aktuellen Ereignisse seine große Sorge über die Gefährdung von Jüdinnen und Juden in Deutschland. Er kritisierte auch die wachsende Muslimfeindlichkeit, die sich in pauschalen Verdächtigungen zeige.

Den christlichen Beitrag präsentierten zwei Frauen des ökumenischen Friedensgebetskreises und der katholische Pastoralreferent Niklas Sonderkamp gemeinsam. Sie lasen unter anderem den 86. Psalms aus der Bibel – „Vernimm, Herr, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens!“,

Eingeladen hatten die Jüdische Gemeinde Herford-Detmold, das Islamische Kommunikationszentrum Detmold e.V., DITIB Detmold e.V., der Kurdische Elternverein Lippe e.V., der Alevitische Kulturverein Bad Salzuflen und Umgebung e.V., der katholische Pastoralverbund Lippe/Detmold und die Lippische Landeskirche.

24.11.2023