Johannette Wilhelmine brachte ihren Pastor mit

Lutherische Kirchengemeinde Detmold feiert 300-jähriges Bestehen

300 Jahre lutherische Gemeinde - sie freuen sich auf ein abwechslungsreiches Jubiläumsjahr: die Pfarrer Frank Erichsmeier, Lars Kirchhof, stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Friederike Miketic, Pfarrer Björn Kruschke, Pfarrerin Christa Willwacher-Bahr, Kirchenmusiker Max Jenkins, Detmolds Bürgermeister Frank Hilker (von links).

Detmold. Ihr 300-jähriges Jubiläum feiert in diesem Jahr die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Detmold. „Glauben – Gemeinsam – Feiern“ lautet das Motto des umfangreichen Festprogramms. Eigentlich sind es 301 Jahre: Wegen der Corona-Pandemie musste das Ganze verschoben werden.
Am Beginn der Gemeinde steht eine Eheschließung: Graf Simon Henrich Adolf wollte eine Prinzessin aus Hessen heiraten, Johannette Wilhelmine von Nassau-Idstein. Ihre Bedingung: „Nicht ohne meinen Pastor“. Die künftige lippische Regentin war, anders als die meisten ihrer Landeskinder, lutherisch und bestand darauf, entsprechend Gottesdienst zu feiern. Dazu brachte sie ihren Hofprediger mit nach Detmold. Die lutherischen Gottesdienste, zunächst im Schloss, waren von Anfang an öffentlich. Ab 1721 fanden sie in einer alten Klosterkirche in der Schülerstraße statt: Dieses Jahr gilt als Gründungsjahr der Gemeinde. 1741 ließ Gräfin Johannette Wilhelmine eine neue Kirche errichten, die 1896 der jetzigen Martin-Luther-Kirche weichen musste.

Was macht eigentlich das lutherische Profil der Gemeinde aus? „Die festlichen Gottesdienste, die feierliche musikalische Liturgie“, sagt Pfarrerin Christa Willwacher-Bahr. „Man weiß, dass man das bei uns erwarten kann. Menschen haben ein Bedürfnis nach Spiritualität.“ Nicht zufällig, ergänzt ihr Kollege Frank Erichsmeier, „steht das Feiern ja im Jubiläumsmotto“.

Und dazu gehört maßgeblich die Musik. Die sechs Konzerte des „Orgelfrühlings“ im April und Mai versprechen in diesem Jahr Besonderes, etwa den Organisten Daniel Roth aus Paris (22. April) oder das Kinderkonzert „Was pfeift denn da?“ (6. Mai). Am 22. Mai sind im Konfirmationsgottesdienst die Kinder- und Jugendchöre der Gemeinde, insgesamt sechs Klangkörper, zu hören.

Im Jubiläumsjahr wünschen sich die Verantwortlichen, dass sich die Mitglieder der Gemeinde untereinander besser kennenlernen. Deshalb wagen sie am 28. Oktober ein Experiment: „301 Jahre – 301 Gäste“ heißt die Veranstaltung, zu der per Zufallsgenerator 301 Menschen ausgesucht werden. Sie erhalten ihre Einladung durch einen persönlichen Besuch zu Hause. „Wir wollen ins Gespräch kommen, auch mit denen, die sich der Kirche nicht eng verbunden fühlen“, erklärt Pfarrer Lars Kirchhof.

Zum Reformationstag am 31. Oktober konnte Christoph Markschies gewonnen werden, der im Gottesdienst predigen und anschließend einen Festvortrag halten wird. Der frühere Präsident der Humboldt-Universität Berlin gilt als einer der profiliertesten evangelischen Theologen der Gegenwart.

„Jubiläum heißt für uns beides: Rückblick und Blick nach vorn“, sagt Pfarrer Kirchhof. Der Kirchenvorstand habe deshalb zum Beispiel die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen besonders in den Blick genommen. Sie soll ausgebaut und verbessert werden: durch einen hauptamtlichen Jugendreferenten oder eine Jugendreferentin. Kirchhof: „Im Moment sind wir in der Bewerbungsphase. Ich bin gespannt, wen wir finden.“

Zur Gemeinde gehören 4.900 Mitglieder. Drei Pfarrer und eine Pfarrerin arbeiten mit einem Dienstumfang von insgesamt 2,75 Stellen. Außer der Martin-Luther-Kirche in der Schülerstraße gehört noch die Dreifaltigkeitskirche am Wittenberger Weg dazu sowie die Kindertagesstätte „Senfkorn“ und das Haus der Kirche Herberhausen (gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost).

Internet: www.detmold-lutherisch.de

07.04.2022

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