Aufrichtiges Interesse

Diskussion: Christliche, muslimische und ezidische Vertreter kommen beim „Talk der Religionen“ ins Gespräch

(von links) Monika Korbach, Dr. Dr. Markus Jacobs, Nihat Köse, Dieter Bökemeier und Josef Kalasch diskutieren über ihre jeweiligen Gottesvorstellungen.

Kreis Lippe/Lage Die Islamische Gemeinde Lage war diesmal Gastgeberin des Diskussionsabends „Wir müssen reden! – Talk der Religionen“, an dem Vertreter aus Christentum, Islam und Ezidentum teilnahmen. Unter dem Motto „Mein Gott, Dein Gott, unser Gott? – Wie gehe ich mit dem Glauben anderer um?“ sprachen sie über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Religionen.

 „In diesem Raum sitzen viele Menschen, die friedlich miteinander leben wollen“, freute sich Nihat Köse vom Islamischen Kommunikationszentrum Detmold, denn der Jugendraum der Fatih-Moschee war gut besucht. In der Diskussion wurde deutlich: Gemeinsamkeiten bestehen insbesondere bei der Schöpfungstheologie. Dr. Dr. Markus Jacobs (Katholischer Pastoralverbund Lippe-Detmold) erklärte: „Gott ist Schöpfer, er hat das menschliche Leben möglich gemacht. Diese Dimension verbindet uns.“ Zudem eine alle Religionen, dass die Rede von Gott in menschlichen Dimensionen immer begrenzt sei. Gott habe 99 Namen im Islam. „Die Eziden haben sogar 1001 Namen Gottes“, erklärte Josef Kalasch (Ezidischer Elternverein Detmold), während Jacobs an das Judentum erinnerte, das vollständig auf Beschreibungen verzichte, da jede davon zu klein sei, um die Größe Gottes zu beschreiben. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, Matitjahu Kellig, hatte krankheitsbedingt leider absagen müssen.

Monika Korbach (Bildungsreferentin der Lippischen Landeskirche) würdigte auch die kritischen Anfragen und sogar Unverständnis, die im Dialog entstehen könnten: „Wenn man sich offen auf die Texte der anderen einlässt, entstehen ganz tolle Fragen.“ Sie betonte zudem, dass Glaube eine Frage der familiären und kulturellen Sozialisation sei. „Ich bin als Kind in der Ambivalenz aufgewachsen, dass Gott tagsüber ein strafender Gott war, der alles sieht, und den wir abends trotzdem im Gebet als lieben Gott angesprochen haben.“ Erst später habe sie ein befreiendes Gottesbild für sich entdeckt, welches die gute Beziehung zwischen Menschen, zur ganzen Menschheit und zur Schöpfung umfasse und zu Frieden und Gerechtigkeit aufrufe.

Dieter Bökemeier (Pfarrer für Ökumene und Mission sowie Flucht und Migration der Lippischen Landeskirche) beschrieb eine wichtige Grundhaltung des Dialogs: „Ich darf von dem überzeugt sein, woran ich glaube, wir müssen nicht das Gleiche glauben. Das heißt auch, dass der Islam für mich keine Option ist, wie für andere hier das Christentum keine Option ist. Aber wir sollten aufrichtiges Interesse aneinander haben und damit rechnen, dass wir von den anderen lernen können auch für unseren eigenen Glauben.“

19.02.2020