Militärische Gewalt als letztes Mittel?

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind am Beispiel von Afghanistan Thema einer Podiumsdiskussion

Im Gespräch: Clemens Ronnefeldt, Hauptmann Martin Waltemathe und Dr. Ataullah Zulfacar (von links) diskutieren bei "Marktplatzgespräche extra" über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Detmold. Was hat der Afghanistan-Einsatz gebracht? Diese Frage haben Hauptmann Martin Waltemathe (Panzerbrigade 21), Clemens Ronnefeldt (Versöhnungsbund) und Dr. Ataullah Zulfacar (Ärzteverein für afghanische Flüchtlinge) am Dienstag in einem „Marktplatzgespräche extra“ im Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Detmold-Ost diskutiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bildungsreferentin Monika Korbach und Landespfarrer Dieter Bökemeier.

Das Thema steht im Rahmen einer breiteren Diskussion in der Lippischen Landeskirche. „Ein Friede ohne Gerechtigkeit funktioniert nicht“, betonte Dieter Bökemeier: „Was aber bedeutet es, Kirche des gerechten Friedens zu sein?“ Neben der auf der Frühjahrssynode erneuerten Stellungnahme gegen atomare Waffen beschäftige sich die Lippische Landeskirche daher auch grundlegend mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr – die größte Bundeswehrkaserne, von der aus auch Soldaten entsandt werden, befinde sich in Augustdorf.

Hauptmann Martin Waltemathe, Presseoffizier der dort stationierten Panzerbrigade 21 „Lipperland“, berichtete über die Aufgaben der Soldaten, die seit 2003 in Afghanistan im Einsatz sind. Das Land sei für viele von ihnen „ein Stück weit ein Trauma“, erklärte er. Die Größe der Aufgabe sei von den Beteiligten unterschätzt worden: „Es wurde ein hoher Blutzoll gezahlt.“ Waltemathe betonte zugleich das große Bestreben in der westlichen Welt, gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Militärische Gewalt sei dabei aber die ‚Ultima Ratio‘: „Die Politik muss sich immer fragen, ob sie alles Menschenmögliche versucht hat, um den Konflikt anders zu lösen.“

Einblicke aus der afghanischen Innenperspektive bot Dr. Ataullah Zulfacar. Der langjährige Oberarzt am Klinikum Lippe reist seit 1985 regelmäßig nach Afghanistan, um den Aufbau der medizinischen Infrastruktur zu unterstützen. Der Ärzteverein für afghanische Flüchtlinge hat so beispielsweise ein psychiatrisches Zentrum für Folteropfer errichtet. Zulfacar beklagte, dass die Region nicht zur Ruhe komme, vor allem auch aufgrund des geopolitischen Interesses der Großmächte. Außerdem müsse zwischen dem ISAF-Einsatz mit UNO-Mandat und der NATO-Operation Enduring Freedom unterschieden werden. Bei letzerer seien die ausländischen Truppen als Besatzer wahrgenommen worden, was die Taliban gestärkt habe. Eine Perspektive für Afghanistan sehe er in der Anerkennung der historischen Neutralität seines Landes.

Dass es keine Alternativen zum Dialog gebe, betonte Clemens Ronnefeldt vom Versöhnungsbund. Er kritisierte den Afghanistaneinsatz als von vornherein falsch und forderte den vollständigen Abzug aller internationalen Truppen sowie Verhandlungen mit den Taliban. So sei eine Gebietsteilung ebenso denkbar wie die Aufnahme der Taliban in die Regierung. „Das Militär jedoch kann keine Probleme lösen, es ist Teil des Problems.“

Anschließend hatten die Anwesenden im gut gefüllten Gemeindehaus die Möglichkeit zur Rückfrage. „Es war eine intensive Diskussion, in der viele Kritikpunkte am Afghanistaneinsatz angesprochen wurden“, stellte Bökemeier abschließend fest.

27.11.2018

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