Weiterführende Handlungen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes einschließlich Klima-Kollekte

4. Tagung der 35. ordentlichen Landessynode am 15./16. Juni 2012

Die Synode der Lippischen Landeskirche hat folgenden Beschluß zur weiteren Vorgehensweise zum Klimaschutz gefasst:

TOP 17
Weiterführende Handlungen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes einschließlich Klima-Kollekte

A    Beschluss

Die Synode bittet die Kammer für öffentliche Verantwortung in Zusammenarbeit mit dem Be-auftragten für Umweltfragen und dem Landeskirchenamt, bis zur Synodaltagung im Sommer 2013 weitere konkrete Handlungen zur Aufstellung und Umsetzung des Klimaschutzkonzep-tes  in den Bereichen

  1. Globale Gerechtigkeit (z. B. Entwicklung einer klimafreundlichen Kirche in einer gerechten Welt)
  2. Wärmeenergie (z. B. Heizenergie)
  3. Stromerzeugung und -verbrauch
  4. Mobilität (z. B. Verkehr, Reisen, An- und Abreise zu Veranstaltungen, lfd. Gemeindearbeit)
  5. Beschaffung (z. B. Ausstattung, Geräte, Lebensmittel)

zu erarbeiten und ein Klimaschutzmanagement einzuführen. Für die Umsetzung sind ent-sprechende Haushaltsmittel ab dem Jahr 2013 bereitzustellen.

Als eine erste konkrete Umsetzung der zu planenden Maßnahmen (Ziffer 4; Mobilität) sind die Treibhausgasemissionen,

  • die bei der landeskirchlichen synodalen Arbeit (Synode, Kammern, Ausschüsse und Klassentage),
  • bei landeskirchlichen (Groß-)Veranstaltungen und
  • bei landeskirchlichen Dienstreisen (In- und Ausland)

jährlich anfallen und nicht vermieden bzw. reduziert werden können, auszugleichen und so ein Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten. Bei allen landeskirchlichen Vorhaben, die sich klimaschädigend auswirken können, ist der möglichen Vermeidung höhere Priorität einzuräumen.
Der jährliche Ausgleich erfolgt durch Zahlung an den kirchlichen Kompensationsfonds „Klima-Kollekte“.

B    Begründung

Die Synode der EKD hat im Jahr 2008 den Landeskirchen empfohlen, ihre CO2-Emissionen zwischen 2005 und 2015 um 25 % zu senken. Die Lippische Landeskirche hat auf der Herbstsynode 2009 der Aufstellung eines umfassenden Klimaschutzkonzepts zugestimmt. Dies erstreckt sich auf die Bereiche:
 

  1. Globale Gerechtigkeit (z. B. Entwicklung einer klimafreundlichen Kirche in einer gerechten Welt, klimafreundliche Entwicklung in allen Ländern der Welt),
  2. Wärmeenergie (z. B. Heizenergie),
  3. Stromerzeugung und –verbrauch,
  4. Mobilität (z. B. Verkehr, Reisen, An- und Abreise zu Veranstaltungen, lfd. Gemeindearbeit),
  5. Beschaffung (z. B. Ausstattung, Geräte, Lebensmittel).


Mit Beschlussfassung der Synode in 2009 wurde der Startschuss für ein grundsätzliches, umfassendes Klimaschutzkonzept gegeben. Dabei ging es im Wesentlichen um die Umsetzung der Klimaschutzinitiative des Bundes.1)  Der Bund stellte hierfür Fördergelder zur Verfügung. Diese Maßnahme ist in der Umsetzungsphase.

Allerdings ist der landeskirchliche Klimaschutz umfassender zu betrachten und steht als Teilbereich des Handlungsfeldes Bewahrung der Schöpfung teilweise mit anderen Themen in einem Zielkonflikt (z. B. Biodiversität, Konkurrenz bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln und erneuerbarer Energie auf landwirtschaftlichen Flächen), der zu beachten ist.2)

Nachfolgend wird ein Überblick über die verschiedenen Tätigkeitsfelder gegeben. Es werden Hinweise über schon erfolgte Handlungen (Ziffer 2 und 3) und über das konkrete Anliegen (Ziffer 4) aufgezeigt sowie ein Ausblick über noch künftig zu erarbeitende Aufgaben (Ziffer 1 und 5) dargelegt.

Insgesamt ist es erforderlich, mit dem Klimaschutzkonzept neben den technischen Aspekten des konkreten Umwelthandelns auch die theologische Dimension der Verantwortung für die Schöpfung zu bearbeiten.

Dies kann beispielsweise durch eine Fastenaktion in der Passionszeit geschehen. Die Schöpfungszeit, Kinderbibeltage, Themengottesdienste oder Erntedank sind kirchliche Anlässe, um das Thema „Schöpfung und Klimawandel“ neben einem entsprechenden Jahresthema konkret aufzugreifen. Weitere Verankerungspunkte können weltliche Anlässe wie Valentinstag oder Muttertag sein, bei denen dann der allgemein gesellschaftliche und nicht der theologische Bezug im Vordergrund steht.

Das Hauptziel sollte sein, durch das Vermeiden und Reduzieren von Treibhausgasemissionen sich den Klimaschutzzielen zu nähern. Doch trotz all dieser Bemühungen aktiven Klima-schutzes gibt es unvermeidbare klimarelevante Auswirkungen, deren Menge über den kirchlichen Kompensationsfonds „Klima-Kollekte“ weitestgehend auszugleichen ist. Ein CO2-Spar-Barometer analog der Kampagne „Klimawandel – Lebenswandel“ der Evangelischen Kirche von Mitteldeutschland kann die aktuell erreichte  Einsparung dokumentieren.3) 

Zu 1 (globale Gerechtigkeit):

Für den globalen Klimawandel sind die Industrieländer als hauptsächliche Verursacher auszumachen. Jedoch werden vor allem die Menschen in den ärmsten Ländern, die an der Ver-ursachung des Klimawandels am wenigsten beteiligt sind, zunehmend den Preis dafür zahlen müssen. Dürre, Überschwemmungen und Wassermangel bedrohen ihre Lebensbedin-gungen. Die Menschen in diesen Regionen der Erde sind deshalb am unmittelbarsten betroffen.

Zum anderen ist für die Industrieländer eine klimafreundlichere Lebens- und Produktionsweise leichter umzusetzen, weil sie über die technischen und finanziellen Möglichkeiten verfügen. Für die Entwicklungsländer und Schwellenländer ist es eine große Herausforderung, sich mit klimafreundlichen Technologien weiterzuentwickeln und nicht durch den intensiven Abbau und die Nutzung fossiler Rohstoffe den Klimawandel noch zu forcieren1)

Für diesen Handlungsbereich, der intensiv durch unsere ökumenischen Beziehungen und Partnerschaften geprägt ist, ist intensive Begleitung in der Bildungsarbeit erforderlich. Gleichzeitig muss aber auch das Bewusstsein für den Konziliaren Prozess von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung im Bereich unserer Landeskirche über die Bildungsarbeit wachgehalten und erweitert werden.

Zu 2 (Wärmeenergie):

Hier nutzte die Lippische Landeskirche die Klimaschutzinitiative des Bundes, um die CO2-Emissionen bei Gebäuden zu untersuchen (Beschluss der Herbstsynode 2009). Die Gebäudegutachten werden für 34 Kirchengemeinden erstellt und umfassen 95 Gebäude. Die Gutachten werden von der Landeskirche ausgewertet und im Dialog mit den Kirchengemeinden umgesetzt.  Zusätzlich wird ein Ressourcen- bzw. Energie-Controlling eingeführt5).

Zu 3 (Stromerzeugung und –verbrauch):

Des Weiteren konnte im Jahr 2011 die Vereinbarung eines Öko-Strom-Pools mit den Stadtwerken Detmold, Lemgo und Bad Salzuflen fortgeschrieben werden, so dass alle lippischen Haushalte und Einrichtungen auch außerhalb der Einzugsgebiete der o. a. Stadtwerke Lippe-Öko-Regio-Strom beziehen können6).  Weiter sollen beim Stromverbrauch Einsparpotentiale identifiziert und genutzt werden.

Zu 4 (Mobilität):

Als jetzigen Handlungsschritt werden die CO2-Emissionen der landeskirchlichen Gremienar-beit (Ausschüsse, Kammern, Synode) und landeskirchlichen Dienstreisen (In- und Ausland) untersucht.

a) Synodale Arbeit der Lippischen Landeskirche

Die Synode der EKD kompensiert bereits ihre Tagungen7). Die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) hat im vergangenen Herbst die Entscheidung gefällt, zukünftig ihre Tagungen klimafreundlich zu gestalten8).

Bei der Bestandsaufnahme9)  geht es insbesondere um die Bereiche „An- und Abreise“, „Papier“, „Tagungsverbrauch an Wärme und Strom“. Eine detaillierte Erhebung, so wie es die EKvW gemacht hat, wird aus arbeitsökonomischen Gründen für die Mengen der Lippischen Landeskirche nur überschlägig erfolgen. Festgestellt werden kann, dass im Durchschnitt pro Jahr synodaler Arbeit (u. a. Einladungen, Vorlagen und Berichte für Synode, Kammern und Ausschüsse bis hin zur Dokumentation) ca. 400 kg recyceltes und 100 kg Neufaserpapier verbraucht wird. An Wärme werden durchschnittlich  2000 kWh und an Strom 2000 kWh ver-anschlagt. Für die Ausübung der synodalen Arbeit (inkl. Kammern und Ausschüsse) legten die Mitglieder ca. 36.000 Pkw-Kilometer zurück.

Die Erfassung zeigt dabei, dass neben der Mobilität hier die Bereiche „Energie“ aus der Ge-bäudenutzung (Nr. 2 und 3) und „Beschaffung“ (Nr. 5) wesentliche Punkte sind. Die Auswirkungen durch Verpflegung während der synodalen Arbeit und Übernachtungen sind bei der überschlägigen Berechnung bisher nicht eingehend betrachtet worden und haben durch die andere Struktur der synodalen Arbeit im Vergleich zu anderen Landeskirchen oder der EKD eine nur sehr geringe Bedeutung.

Insgesamt wird die anfallende CO₂-Emission berechnet, um diese im nächsten Schritt mit der Zahlung eines festen Betrags pro Tonne CO₂ zu kompensieren. Dieser Betrag liegt derzeit bei 23 Euro. Bei den o. a. Durchschnittswerten müssen pro Jahr ca. 10 Tonnen CO₂ kompensiert werden.

b) Dienstreisen und Veranstaltungen

Im Weiteren sind einzelne Auslandsdienstreisen jeweils separat zu kompensieren. So wird eine Auslandsreise beispielsweise nach Südafrika mit ca. 8 Tonnen CO2-Ausstoß zu kompensieren sein.

Die landeskirchlichen Dienstreisen erfolgen überwiegend per Bahn. Die Fahrtkilometer der landeskirchlichen Mitarbeiter und Beauftragten sind im Fahrtenbuch erkennbar und dann rückwirkend zu kompensieren.

Auch landeskirchliche (Groß-)Veranstaltungen sind ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung von kirchlichem Leben, so dass auch diese Veranstaltungen zu kompensieren sind. Hierfür konnten noch keine Daten aus der Vergangenheit erhoben werden, die für eine Kosten- und CO2-Kompensationsschätzung aussagekräftig wären.

c) Kompensation

Um den Schaden für das Klima zu begrenzen, ist es notwendig, die entstandene Menge Treibhausgase an anderer Stelle einzusparen, indem man in Klimaschutzprojekte investiert. Dies wird durch die Zahlungen an den Kompensationsfonds „Klima-Kollekte“ erfolgen10).  Der Kompensationsfonds „Klima-Kollekte“ ist ein Zusammenschluss von Brot für die Welt, dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST) und dem Nordelbischen Missionszentrum (NMZ). Die „Klima-Kollekte – Kirchlicher Kompensationsfonds“ stellt eine kirchenspezifische Ergänzung bereits bestehender Kompensationsangebote dar, bei der die Kompensation von CO2-Emissionen im Rahmen von Projekten der beteiligten kirchlichen Organisationen oder ihrer Partner in Entwicklungsländern und auch Osteuropa geschieht. Von Mitbewerbern wie atmosfair oder MyClimate unterscheidet sich der Fonds durch seine Anbindung an die Kirche. Er zielt darauf ab, insbesondere Organisationen und Einzelpersonen aus dem kirchlichen Bereich und darüber hinaus neu für die Kompensation ihrer unvermeidbaren CO2-Emissionen zu gewinnen.

Alle Kompensationsprojekte der „Klima-Kollekte“ arbeiten nach dem „Clean Development Mechanism11)“ , erreichen den strengen Gold-Standard und unterstützen den Ausbau erneuerbarer Energien oder tragen zur Steigerung der Energieeffizienz (z. B. durch bessere Wärmedämmung) bei. Sie variieren nach ihrer Größe – und damit Menge der eingesparten Emissionen pro Projekt –, nach Art der Projekte sowie der geographischen Lage. Brot für die Welt, EED und NMZ werden Projekte in Ländern des Südens fördern, die FEST Projekte in Osteuropa betreuen.

d) Fortlaufende Bilanzierung

Die erstmalige Bilanzierung des realen Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemis-sionen eröffnet weitere Möglichkeiten, um über weitere Reduzierungen nachzudenken, z. B. durch Digitalisierung der Dokumentation. Hierdurch kann die Anzahl der Druckerzeugnisse deutlich gesenkt werden. Einladungen, Vorlagen u. a. werden im Internet zum Download be-reitgestellt, können auf Wunsch aber auch weiterhin in Papierform zur Verfügung gestellt werden12)
CO2-Minderungen können sich auch durch Fahrgemeinschaften ergeben oder durch Wech-sel des Transportmittels (PKW zu ÖPNV) oder durch andere Motorisierung (Benzin, Diesel, Elektro).

Zu 5 (Beschaffung):

Dieses Handlungsfeld steht für das umfassende Klimaschutzkonzept noch aus. Folgende Leitgedanken sollen bei der weiteren Bearbeitung berücksichtigt werden:

Konkrete Schritte werden der Synode im nächsten Jahr vorgelegt. Insgesamt geht es hier zum einen um die Bewusstseinsveränderung hin zu einer ökologisch nachhaltigen und fairen Beschaffung. Zum anderem bietet die Initiative „zukunft-einkaufen“ einen kooperativen Hand-lungsansatz mit anderen Landeskirchen und auch den katholischen Bistümern13). Dieses  ist durch ein zielgruppengerechtes Bildungsangebot zu ergänzen, damit die Konsumentscheidungen überdacht und gegebenenfalls verändert werden.

_______

Quellen und Hinweise:

  1. Landeskirche nutzt Fördermittel der nationalen Klimaschutzinitiative http://www.lippische-landeskirche.de/3137-0-39
  2. EED / Brot für die Welt, AGU EDL: Energie vom Acker - Wie viel Bioenergie verträgt die Erde? (http://ekd.de/agu/themen/energie_vom_acker.html)
  3. Das Material zu dieser Kampagne inkl. Kinderbibelwoche und Gottesdienstmaterial: http://www.klimawandel-lebenswandel.de/
  4. Entwicklungspolitische Plattform von Kirchen, Entwicklungsorganisationen und Missionswerken: Klima der Gerechtigkeit (http://www.kirchen-fuer-klimagerechtigkeit.de/)
    Studie Zukunftsfähiges Deutschland II: (http://www.zukunftsfaehiges-deutschland.de/)
  5. Energiecontrolling leicht gemacht (Auftaktveranstaltung am 28.02.2012; http://www.lippische-landeskirche.de/3368-0-39)
  6. http://www.lippische-landeskirche.de/3191-0-1
  7. http://www.ekd.de/synode2011/berichte/praesidiumsbericht_schriftlich.html
  8. http://www.evangelisch-in-westfalen.de/wir-ueber-uns/landeskirche/landessynode/landessynode-2011/klimafreundliche-landessynode.html
  9. Zur Berechnungsweise: http://ekd.de/agu/co2_veranstaltungen_kompensation.html
  10. https://klima-kollekte.de/
  11. https://klima-kollekte.de/node/143
  12. Hinweis: Download und selber ausdrucken ist i.d.R. ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll.
  13. http://www.zukunft-einkaufen.de/

 

23.07.2012 Heinrich Mühlenmeier

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