Voller Vorurteile

Klaus-Peter Hufer gab Tipps zum Umgang mit Stammtischparolen

Stammtischparolen entschärfen: Sabine Hartmann (Referat Ökumene und Mission) konnte im Landeskirchenamt in Detmold Klaus-Peter Hufer begrüßen.

Kreis Lippe/Detmold. „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“, „man wird doch wohl noch sagen dürfen…“ – solche Sätze sind „Einflugschneisen für Gespräche, die keine sind“, erklärte der Politologe und Erwachsenenbildner Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer (Uni Duisburg-Essen) den Zuhörern seines interaktiven Vortrags am Donnerstag (7. September) im Landeskirchenamt in Detmold. Etwa 70 Interessierte waren auf Einladung des Referates für Ökumene und Mission der Lippischen Landeskirche gekommen, um sich Tipps zu holen, wie man Stammtischparolen wirksam entschärfen kann.

Hufer hat dafür ein Argumentationstraining entwickelt, mit dem er bekannt geworden und in der ganzen Bundesrepublik auf Seminaren und Vorträgen unterwegs ist. Seine Begleiter seitdem: schlimmste Beschimpfungen und Angriffe vor allem über die sozialen Medien. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen, eine zunehmende Verrohung und Aggressivität oder auch eine Mentalität, die sich nur noch am Mehrwert und Nutzen von Menschen orientiert, bewegten auch die Zuhörer, mit denen Hufer schnell – moderiert von Sabine Hartmann – in ein intensives Gespräch kam. Studien hätten ergeben, dass 30 Prozent der Menschen in Deutschland ein rechtspopulistisches Weltbild haben. Unsicherheit angesichts von Zuwanderung und gesellschaftlichen Veränderungen ließen Menschen sich auf das zurückziehen, was Ihnen sicher erscheine - wie die Fokussierung auf Nation und Rasse. Doch: „Die globalisierte Welt lässt sich nicht mehr abschotten“, so Hufer, „wir müssen lernen, damit umzugehen.“  

Für den Umgang mit populistischen Parolen, die voller Vorurteile, diskriminierend, verallgemeinernd und mit einem Schein-Wissen versehen seien,  vermittelte er den Zuhörern Handlungsempfehlungen. Parolen begegneten einem überall: im Gespräch am Gartenzaun, mit Arbeitskollegen, bei der Familienfeier. Es fielen Sätze wie „Ausländer sind kriminell, nehmen uns die Arbeitsplätze weg, Ausländer sind faul und wollen nicht arbeiten“ – oft stünden Migranten im Mittelpunkt. Aber auch Verschwörungstheorien wie „den Klimawandel gibt es nicht – da stecken Wirtschaftsinteressen dahinter“, gehörten mit dazu. „Lehnen Sie Kategorisierungen ab und versuchen Sie Verallgemeinerungen aufzulösen“, war ein Rat, den der Politologe gab. „Spricht ihr Gegenüber etwa über „die Politiker“ oder „die Flüchtlinge“, erfragen Sie ganz konkrete Beispiele.“ Es gebe auch nicht „die Ausländer“, stellte Klaus-Peter Hufer fest: „Es gibt den griechischen Arzt ebenso wie den spanischen Gemüsehändler oder den schwedischen Touristen“. Je nach Thema und Situation könne man auch versuchen, im Gespräch Verbündete zu gewinnen oder Brücken zu bauen, indem man zugebe, dass man sich selbst auch erst mit der sich verändernden deutschen Gesellschaft arrangieren müsse und dass es Probleme gebe, die zu bewältigen seien. Zu fragen wäre dann: „Aber was wäre die Alternative?“ Mit Ironie arbeiten sei auch eine gute Möglichkeit. Hier hatte ein Zuhörer eine Idee der Erwiderung und die Lacher auf seiner Seite: „Wenn die Ausländer doch nicht arbeiten wollen, können sie uns auch nicht die  Arbeitsplätze wegnehmen“.

 

 

11.09.2017

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