Neues Quartier für den Turmfalken

Die Kirchengemeinde St. Johann erhält die NABU Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ für ihr Engagement im Artenschutz.

Pfarrer Winfried Ostmeier, Kirchenvorstand Hans-Hermann Meierkordt, NABU-Vorsitzender Hansjochen Tapp, NABU Mitarbeiter Ingo Briegel

Der NABU Lemgo hat heute am 10. September, die Kirchengemeinde St. Johann mit der Plakette und Urkunde „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet. Der NABU-Vorsitzende Hansjochen Tapp überreichte Pfarrer Winfried Ostmeier Plakette und Urkunde vor dem Stumpfen Turm, dem Glockenturm der Gemeinde.

Die Kirchengemeinde St. Johann engagiert sich hier in besonderer Weise für den Arten- und Umweltschutz, denn der Glockenturm bietet  Nisthilfen für den Turmfalken und schafft damit Lebensraum für eine an Gebäuden brütende Vogelart.
Im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen an Kirchtürmen werden  bedrohte Vogelarten häufig ausgesperrt. Weil die lästigen Tauben im Turm nicht gern gesehen sind, werden die Einflugöffnungen mit Draht verschlossen. Fledermäuse und Kleinvögel können durch dieses Drahtgeflecht schlüpfen; Turmfalken, Dohlen, Schleiereulen wird damit jedoch das Brutquartier genommen.
Turmfalken brüten gern in der Nachbarschaft der Menschen. Türme sind ihre bevorzugten Brutquartiere. Der Name Turmfalke weist auf dieses Wohnquartier hin.
Am Glockenturn wurde deshalb für den Turmfalken in Zusammenarbeit von Kirchengemeinde und Arbeitskreis naturnahes Lemgo des Vereins Alt Lemgo ein Brutkasten angebracht. „Der Turmfalke hat nun ein neues Quartier, das er gerne annehmen wird“ freut sich Hajo Tapp, Vorsitzender der NABU Gruppe Lemgo.

Der Turmfalke
Der Turmfalke ist Vogel des Jahres 2007. Nur 35 cm groß mit einer Flügelspannweite von 75 cm gehört er zu den kleineren Greifvögeln unserer Heimat. Charakteristische Kennzeichen ist sein Rüttelflug, der ihm auch den Namen „Rüttelfalke“ eingetragen hat. Beim Erspähen seiner Beute, häufig sind dies Mäuse, steht der Falke auf der Stelle, wobei er heftig mit den Flügeln schlägt. Hat er seine Beute ausgemacht, stürzt er sich auf seine Beute.
Die Falken bauen kein eigenes Nest, sondern beziehen breite Mauersimse, Mauernischen und besonders gern bereitgestellte Nistkästen.

Über das Projekt „Lebensraum Kirchturm“

2007 startete der NABU zusammen mit dem Beratungsausschuss für das Glockenwesen das Projekt „Lebens-raum Kirchturm“. Damals war der Turmfalke Vogel des Jahres; ein Vogel, der wie kaum ein anderer auf Nist-möglichkeiten in Kirchtürmen angewiesen ist. Aber auch andere Vogelarten wie Schleiereulen und Dohlen nutzen Kirchtürme als Ersatz für natürliche Bruthöhlen. Fledermäuse finden oft ein geeignetes Quartier im Kirchturm und nutzen dieses treu jedes Jahr wieder.
Bei Kirchturmsanierungen werden die Einfluglöcher und Brutnischen häufig zum Schutz gegen Tauben verschlossen. Selbst kleine Arten wie Spatz oder Hausrotschwanz stehen dann vor verschlossener Tür.
Ziel des Projektes ist es, die Brutplätze für die Turmfalken, Dohlen, Schleiereulen, Fledermäuse und andere Arten zu erhalten und renovierte Kirchtürme wieder als Lebensraum zu öffnen.
Sechs Jahre nach dem Start des Projektes sind mehr als 500 Kirchen in Deutschland für ihren Einsatz für den Artenschutz mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ vom NABU ausgezeichnet worden. In Lemgo sind dies die Kirchengemeinden St. Nicolai, St. Georg in Lieme und St. Johann.

Weitere Infos zum Projekt:
www.nabu.de/aktionenundprojekte/lebensraumkirchturm/
www.glocken-online.de/glockenaktuell/lebensraumkirchturm.php 
www.lippische-landeskirche.de/3628-0-39
http://www.nabu-lemgo.de/projekte/lebensraum-kirchturm/

07.09.2013 Heinrich Mühlenmeier

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