Ein Abend im Café Mandelplatz

200 Frauen beim Frühjahrstreffen der Evangelischen Frauen in Lippe (EFiL)

Lesung vor 200 Frauen. Christina Brudereck liest aus ihrem Roman „Café Mandelplatz“

Kreis Lippe/Lemgo. Das Interesse am Frühjahrstreffen der Evangelischen Frauen in Lippe (EFiL) war groß: rund 200 Frauen nutzten im Kirchlichen Zentrum Eben-Ezer Lemgo die Gelegenheit, um einen Abend im „Café Mandelplatz“ zu verbringen. Die evangelische Theologin und Autorin Christina Brudereck las aus ihrem gleichnamigen Roman.

Die Familiensaga erzählt die Geschichte von drei jüdischen Frauengenerationen, Oma, Mutter und Enkelin. Im Café von Miriam Mandelbaum in Johannesburg der 1960er Jahre gibt es erfrischende Ingwerschorle und koscheren Wein. Der gedeckte Tisch im Café wird Symbol des Zusammenfindens unterschiedlicher Kulturen, Kräfteschöpfens und politischen Einmischens. Während um sie herum alle wegschauen, wird sie immer tiefer in den Widerstand gegen das Apartheidregime hineingezogen, bis irgendwann das Leben der eigenen Familie auf dem Spiel steht. Das kleine Café mit seinen unterschiedlichen Gästen entwickelt sich über Jahre zu einem Ort des Widerstands und Neuanfangs. Trotz aller Schmerzen und Verluste ist die Erzählung getragen von einer trotzigen Hoffnung und unerschütterlichem Glauben an die Macht des Guten. Die Geschichte beginnt kurz vor der Verhaftung Nelson Mandelas 1962 und führt über seine Vereidigung als Präsident 1994 bis zur Arbeit der Wahrheitskommission in den 90er Jahren.
Christina Brudereck selbst lebte 1994 zur Zeit der Amtseinführung Nelson Mandelas in Südafrika.

Brigitte Fenner, Pfarrerin für Frauenarbeit der Lippischen Landeskirche, hob in ihrer Andacht hervor, dass im Café Mandelplatz deutsche Geschichte auf die Geschichte Südafrikas treffe. Eine deutsche Jüdin rette sich während der Nazizeit nach Südafrika und erlebe die Unterdrückung der Schwarzen. Die drei Frauen des Romans entwickelten eine subversive Widerstandskraft gegen die Apartheid.

Der Glauben der Mütter und Großmütter sei wichtig und lebensprägend. Oft würden Kinder durch Großmütter zu religiösen Traditionen und Fragen ermutigt. „Ältere Frauen bringen ein Stück Sicherheit und Freiheit in die Welt. Wer viel ausgehalten und erlebt hat und dennoch glaubt, zeugt davon, dass die Liebe Gottes trotz allem trägt.“

Bildungsreferentin Monika Korbach interviewte drei Frauen unterschiedlichen Alters über ihre Beziehungen zu Enkelinnen, Töchtern und Müttern. Während früher oft drei Generationen gemeinsam am Tisch gesessen hätten, lebten sie heute meist getrennt. Erinnerungen an Kochrezepte der Großmutter und ihr soziales Engagement machten die Runde. Die Tochtergeneration, die heute selbständiger und oft berufstätig sei, erhielt den mütterlichen Rat, nicht nur sich selbst zu sehen, sondern offen für  Nöte anderer zu bleiben.

Passend zur Lesung gab es in der Pause afrikanische Speisen. Die Veranstaltung wurde mit Caféhausmusik und afrikanischen Liedern von Annette Wolf am Klavier begleitet. 

02.05.2018

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Windows Live