Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt

Kathrin Oxen predigte zur Bach-Kantate „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“

Die Kantorei der Marktkirche, vier Solisten und das Orchester Sinfonietta führten die Kantate „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“ auf.

Kreis Lippe/Lage. Der Kantatengottesdienst der Lippischen Landeskirche am Volkstrauertag, 19. November, stand ganz im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Wegen der Renovierungsarbeiten in der evangelisch-reformierten Marktkirche fand der Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Peter und Paul statt.



Pfarrerin Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für evangelische Predigtkultur (Wittenberg), predigte zur Bach-Kantate „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“. Die Kantate wurde musikalisch eindrücklich und bewegend aufgeführt von vier Solisten, der Kantorei der Marktkirche Lage und dem Orchester Sinfonietta Detmold unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Volker Stenger.

Für die Lippische Landeskirche erläuterte Pfarrerin Dr. Katharina Kleine Vennekate, dass der Gottesdienst Teil der Reihe „Profile“ sei. In dieser Reihe kämen aus Anlass des Reformationsjubiläums in zwölf Gottesdiensten über das Jahr verteilt profilierte Kirchenmusik und profilierte Gastprediger zu Wort.

Pfarrerin Kathrin Oxen erinnerte in ihrer Predigt an das Schicksal von zwölf Millionen Menschen in Deutschland, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat fliehen mussten: „Das war die Folge eines Krieges, der von unserem Land ausgegangen ist. Das ist eine Last, die sich an die Kinder und sogar auf die Enkel weitervererbt.“

In der Kantate sei die Rede von Sehnsucht nach Frieden im Angesicht großer Bedrängnis: „Ach, unaussprechlich ist die Not.“ Die Menschen in Europa hätten in der Folge des von den Deutschen ausgegangenen Krieges nahezu unsagbares Elend erfahren müssen. Besonders die Frauen und Kinder hätten unter den Folgen des Krieges gelitten. Ihr Leid könne am Volkstrauertag leicht in Vergessenheit geraten. Pfarrerin Oxen: „Es sind Erfahrungen, die Menschen stumm gemacht haben.“ Wenn es in der Kantate heiße „Ach wir bekennen unsere Schuld“, dann helfe dies, den Volkstrauertag zu verstehen und warum man an ihm weiterhin festhalte, auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende: „Ja, wir bekennen unsere Schuld. Es ist so wichtig, dass wir einen Tag dafür haben, gerade jetzt, wo die meisten schon gestorben sind, die den Krieg noch erlebt haben.“ Die Schuld werde über die Jahrzehnte nicht kleiner, sondern sie sei größer geworden: „Sie hat sich vervielfacht in der lebenslangen Trauer und den verletzten Seelen all derer, die den Krieg überlebt haben.“

Die im Volkstrauertag bewahrte Erinnerung an den Krieg sei vielleicht eine Antwort darauf, wie die Deutschen mit ihrer Vergangenheit und ihrer Schuld umgehen wollen. Kathrin Oxen: „Dass kein Krieg, sondern für viele Menschen Gutes von Deutschland ausgeht, dass wir Not lindern.“ Deutschland habe mit der Aufnahme der Flüchtlinge  „etwas Großes und Gutes“ getan, um die Not von Menschen zu lindern, die vor dem Krieg geflohen sind.

Mit der bisher erfolgten Aufnahme von Flüchtlingen sei die Hilfeleistung aber nicht vollendet. In Anspielung auf die zeitparallel zum Gottesdienst geführten „Jamaika“-Sondierungsgespräche sagte Pfarrerin Oxen: „Ich denke aber heute auch daran, wie unwürdig jetzt gerade um den Familiennachzug der anerkannten Flüchtlinge gestritten wird, gegen den Widerstand einer Partei, die ein C für „christlich“ in ihrem Namen trägt. Es sind wieder die Frauen, die Mütter und ihre Kinder, die jetzt in Lagern oder in ihrer zerstörten Heimat auf Frieden und Sicherheit warten.“ Christen sollten sich daran erinnern, dass Gott sich in die Welt gewagt habe „in einem Kind und von seiner Mutter im Arm getragen, ohnmächtig und schwach. So kommt der Friedefürst in unsere Welt.“

22.11.2017

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