Öffnung und Dialog

Bedeutung des Religionsunterrichts in der pluralen Gesellschaft

Prof. Dr. Bernd Schröder bei seinem Vortrag in St. Nicolai in Lemgo

Kreis Lippe/Lemgo. "Welche Rolle spielt der Religionsunterricht in Gesellschaft, Kirche und Schule heute? Welche Chancen liegen in ihm für Gesellschaft, Kirche und Schule morgen?" Diesen Leitfragen ging der Göttinger Religionspädagoge Professor Dr. Bernd Schröder auf Einladung des Schulreferats der Lippischen Landeskirche im Gemeindehaus St. Nicolai in Lemgo nach.

Der Vortrag, zu dem Schulreferent Andreas Mattke rund 60 Gäste begrüßen konnte, war Auftakt des Projekts "Kirche und Schule im Dialog", in dem Vertreter der Landeskirche mit Schulleitern, Lehrern und Schülern im Gespräch sind über die Bedeutung des Religionsunterrichts angesichts von Säkularisierung und Pluralisierung.

„Reformation und Bildung hängen eng zusammen“ sagte Landessuperintendent Dietmar Arends in seinem Grußwort. Jeder solle die Bibel lesen und ihre Botschaft verstehen können. Johannes Calvin habe in Genf für Chancengleichheit gekämpft und die kostenlose Schulpflicht auch für Flüchtlinge gefordert. Der mündige urteilsfähige Mensch sei eine Forderung des Protestantismus, der jedem unkritischen Fundamentalismus entgegenstehe. Die Kirche widme sich daher dem Thema Bildung und suche den Dialog mit der Schule.

Prof. Bernd Schröder erinnerte in seinem Vortrag an das Grundgesetz, das den Religionsunterricht  garantiere und auf Kooperation mit außerschulischen Institutionen verweise. Dies sei in Deutschland aufgrund geschichtlicher Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus europaweit einmalig. Der Religionsunterricht erreiche heute mehr junge Menschen als die Kirche. Er schule die genaue Betrachtung von Religionen und vertiefe das eigene Bekenntnis in Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen. Religionsunterricht fördere soziales Engagement und vermittle eine positive Lebensdeutung.

Trotz dieser positiven Bestandsaufnahme gebe es aktuelle Verschiebungen: Kirchenaustritte führten zu einer ansteigenden Konfessionslosigkeit. Gleichzeitig steige der religiöse Pluralismus. Die Ursachen hierfür sei nicht nur die Diskrepanz zwischen rationaler Moderne und vermeintlich irrationaler Religion, sondern auch die fehlende Relevanz der Religion im Alltagsleben: „Religion ist vielen nicht wichtig genug, um sich zu positionieren.“

Die aktuellen Herausforderungen würden nicht nur den Religionsunterricht betreffen, sondern die gesamte Kirche. Schröder empfahl, dass der Protestantismus sich nicht nur als Deutungsangebot profilieren müsse, sondern auch als „Reservoir von Lebensführungsmöglichkeiten“, der christliches Verhalten im Alltag erkenntlich mache.

Der Religionsunterricht könne das Christentum stärker als „Pool von Lebensstilen“ ausweisen, so Schröder weiter. Religionsunterricht müsse sich außerdem konfessionell im interreligiösen Dialog öffnen und sich der Konfessionslosigkeit und Plausibilitätskrise stellen.

Im Anschluss an den Vortrag kamen die Gäste unter Leitung von Schulpfarrer Claus Wagner ins Gespräch mit dem Referenten.

10.04.2017

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